Mister Bulicheck Borussia 1990-2000



Borussia 1990/1991

Ein Vorwort: 1990 boomte der Deutsche Fussball. Franz Beckenbauer wurde mit seinen Mannen Fussball-Weltmeister und deutsche Spieler standen im Ausland hoch im Kurs. Thomas Hässler wechselte beispielsweise zu dieser Saison vom 1.FC Kön nach Italien. Duch die Wiedervereinigung drängten Spieler aus den neuen Ländern zu zahlungskräftigen Klubs gen Westen (Beispiele: Ulf Kirsten heuerte in Leverkusen an, Matthias Sammer derweil in Stuttgart). In der zweiten Liga profilierten sich heute bekannte Trainer in jungen Jahren (Neururer in Schalke, Sidka in Oldenburg und wer wüsste das heute noch ein gewisser Volker Finke in Havelse). Der deutsche Fussball boomte und sollte noch für einige Jahre international bestimmend bleiben (1992 Vize-Europameister, 1996 Europameister). Derweil befand sich Borussia Mönchengladbach in tiefer Depression. Stefan Effenberg verliess den Verein für etwa 4 Mio. DM Ablöse in Richtung München. Das Geld wurde dringend zur Schuldentilgung benötigt. Mit der Saison 1990/91 begann die Ära eines Rolf Rüssmann als Manager der Borussia. Voraussetzungen: Borussia erlebte vor Beginn der Saison 1990/91 einen herben Substanzverlust. Stefan Effenberg zog es für die Ablöse von etwa 4 Mio. DM nach München. Bruns, Krauss und Herlovsen beendeten ihre Karrieren. Im Gegenzug konnte man lediglich zwei gestandenen Bundesligaspieler verpflichten. Aus Köln zog es Schorsch Drehsen zurück an den Bökelberg und aus Nürnberg verpflichtete man Martin Schneider. Borussia ging mit einem recht unerfahrenen Kader in diese Saison. Die Idealformation sah wie folgt aus: Kamps - Straka - Klinkert, Eichin - Winkhold, Drehsen, Meier, Hochstätter, Neun - Criens, Belanow - Alternativen: Marell, Schneider, Spies, Max - Mit Peter Wynhoff, Kalla Pflipsen und Manfred Stefes standen dei Youngster auf dem Sprung. Saisonverlauf: Im Laufe der Saison tätigte Borussia mit Frank Schulz und Thomas Kastenmeier zwei Nach- verpflichtungen, die sich auszahlten. Am Ende belegte man einen erfreulichen 9. Platz. Im Verlauf des Spieljahres wurde Igor Belanow nach Braunschweig transferiert, da er sich nicht in Gladbach integrieren liess. Die Borussia spielte in dieser Saison insg. 17mal (!) Unentschieden (10mal davon am Bökelberg). Im Gegenzug verlor die Borussia nur einmal daheim und zwar mit 1:2 gegen den VfL Bochum. Blamabel war die Leistung im DFB-Pokal. Dort schied man in Runde 2 mit 0:1 beim FC Remscheid aus.

Borussia 1991/1992

Voraussetzungen: Der Umbau des Kaders ging weiter voran. Mit Fach (ja Holger Fach) und Steffen wurden zwei gestandene Mittelfeldspieler aus Uerdingen verpflichtet. Hinzu kam U21 Nationalspieler Stadler aus Kaiserslautern und als zweiter Torhüter Dirk Heyne aus Magdeburg. Im Gegenzug verliessen Straka, Spiess und Bodden den Bökelberg in Richtung Rostock. Schorsch Drehsen ging wieder nach Köln, Carsten Marell nach Meppen und Uwe Brunn wurde Stammtorhüter und Publikumsliebling in Osnabrück. Die Idealformation sah nun wie folgt aus: Kamps - Fach - Klinkert, Eichin - Hochstätter, Kastenmeier, Neun, Pflipsen, Meier - Criens, Wynhoff - Als Alternativen: Stadler, Stefes, Heyne, Schneider, Schulz, Max, Salou (im Verlauf der Saison 90/91 nach Gladbach gekommen). Insgesamt standen Trainer Gerd vom Bruch nun mehr Alternativen zur Verfügung. Saisonverlauf: In der Saison 91/92 befand sich die Borussia einige Zeit in Abstiegsgefahr und vor allem im Sturm drückte der Schuh. So verpflichtete man während der Saison mit Martin Dahlin einen schwedischen Nationalstürmer und konnte sich letzten Endes mit Platz 13 bei 34:42 Punkten und 37-49 Toren retten. Am 25.09.1991 musste Gerd vom Bruch seinen Posten als Cheftrainer räumen und wurde durch Jürgen Gelsdorf ersetzt. Eine grosse Enttäuschung erlebten die Borussen-Fans im Pokalendspiel 1992 in Berlin. Als hoher Favorit gegen den Zweitligisten Hannover 96 angetreten musste man sich am Ende mit 3:4 nach Elfmeterschiessen geschlagen geben. Eine bittere Pille für die grosse Schar der Borussen-Fans.

Borussia 1992/1993

Voraussetzungen: Zur Saison 92/93 besann man sich auf frühere Erfolge mit dänischen Spielern und verpflichtete mit Johnny Mölby von Vejle BK und Peter Nielsen von Lyngby BK zwei dänische Nationalspieler. Saisonverlauf: Cheftrainer Jürgen Gelsdorf fand beim Management der Borussia keinen besonderen Anklang, insb. da er spielstarke Profis wie Dahlen und Pflipsen nicht berücksichtigen wollte (ganz im Gegenteil beide sollten verkauft werden).Am 06.12.2004 übernahm mit Bernd Krauss ein Gladbacher Ex-Spieler die Geschicke als Cheftrainer, nachdem die Leistungen der Borussia vorher nicht sonderlich bemerkenswert waren. Mit ihm begann eine neue und kurzzeitig erfolreiche Epoche der Borussen-Geschichte. Martin Dahlin und Kalle Pflipsen blühten unter Bernd Krauss auf und erzielten jeweils 10 Tore. Am Ende der Saison belegte man einen 9. Platz bei 35:33 Punkten und 59-59 Toren. Im DFB-Pokal kam es zu einer neuerlichen Blamage. Gladbach verlor in Runde 3 an der Bremer Brücke in Osnabrück mit 1:4 Toren!

Borussia 1993/1994

Voraussetzungen: Das Gesicht der neuen Borussia nahm langsam Formen an. Mit Ertl, Steffen und Schulz verliessen drei Ergänzungsspieler den Bökelberg. Neu hinzu kam Heiko Herrlich, der ein brandgefährliches Angriffsduo mit Martin Dahlin bilden sollte. Christian Hochstätter war mittlerweile zu einem guten Libero umfunktioniert worden. Die Krausssche Viererkette existierte zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die Idealformation sah wie folgt aus: Kamps - Hochstätter - Klinkert, Eichin - Kastenmeier, Fach, Nielsen, Pflipsen, Schneider - Dahlin, Criens - Alternativen: Mölby, Neun, Herrlich, Max, Salou, Wynhoff - Saisonverlauf: Gladbach landete zwar "nur" auf Platz 10 - trotzdessen konnte man von einer erfolgreichen Saison sprechen. Mit Patrick Andersson wurde während der Saison ein Verteidiger Kategorie Weltklasse von den Blackburn Rovers verpflichtet. Mit dieser Verstärkung war eine taktische Neuausrichtung zur Viererkette hin möglich. Im DFB-Pokal schied Borussia im Achtelfinale daheim gegen den 1.FC Kaiserslautern aus.

Borussia 1994/1995

Voraussetzungen: Zu einem Spitzenteam der Bundesliga fehlte nur noch das berühmte Tüpfelchen auf dem i. Und Manager Rüssmann machte genau dies möglich. In einer Hau-Ruck Akion eiste er den in Florenz unglücklichen Stefan Effenberg im Laufe der Hinrunde 94/95 los und lieh ihn zunächst aus, um Effenberg im späteren zu kaufen. Borussia hatte nun wieder ein Spitzenteam: Im Abwehrverbund mit Kamps im Tor - der Viererkette mit Andersson und Klinkert innen, sowie Neun auf links und Kastenmeier auf rechts. Gladbach hatte das Spiel mit einer auf Raumdeckung orientierten Viererkette mit offensiven Aussen perfektioniert. Im Mittelfeld war sowohl das spielerische (Pflipsen, Wynhoff), als auch das kämpferische (Fach, Schneider, Nielsen) Element ausgewogen vertreten. Hinzu kam nun der Leitwolf Effenberg als "Leader aus der Tiefe". Im Angriff besass Borussia mit Herrlich und Dahlin vermutlich das gefährlichste Angriffsduo der Liga. Martin Max und Bachirou Salou fristeten das Reservistendasein. Saisonverlauf: Borussia erhob sich zu einem Spitzenteam der Liga und wurde letzten Endes hinter Dortmund, Bremen, den Überraschungs-Freiburgern und Lautern Fünfter. Heiko Herrlich wurde Torschützenkönig (20 Treffer) und erzielte gemeinsam mit Martin Dahlin 31 Tore. Die Krönung des Bernd Krauss folgte jedoch am 24.06.1995 in Berlin. Borussia gewann dort mit 3:0 gegen den VfL Wolfsburg und wurde DFB-Pokalsieger. Eine neue Borussen-Erfolgs-Ära stand anscheinend an ihrem Beginn.

Borussia 1995/1996

Voraussetzungen: Bedingt durch das kleine Stadion am Bökelberg und das eher provinzielle Umfeld hatte Borussia stets einen wirtschaftlichen Nachteil gegenüber der finanzkräftigen Konkurrenz aus München, Hamburg, Dortmund, Leverkusen, Stuttgart, usw. Nach den grossen Erfolgen der Vorsaison zeichnete sich ein langsamer Zerfall des Teams ab. Die Konkurrenz wurde aufmerksam und Borussia Dortmund warb Stürmerstar Heiko Herrlich ab. Mit ihm verliessen auch Bachirou Salou und Martin Max die Borussia Holger Fach musterte schliesslich bei bayer Leverkusen an. Mit grossen Hoffnungen und gegen Zahlung entsprechender Ablösen heuerte man zwei junge talentierte Stürmer an. Der eine hiess Michael Sternkopf und kam von Bayern, der andere Max Huiberts von Roda Kerkrade. Diese beiden sollten den Aderlass im Sturm beheben. Ansonsten bliebt die bewährte Truppe beisammen und die Idealformation sah wie folgt aus: Kamps - Klinkert, Andersson, Kastenmeier, Neun - Effenberg - Pflipsen, Wynhoff, Nielsen - Sternkopf, Dahlin - Saisonverlauf: Einen ersten Abwärtstrend konnte man schon in dieser Saison beobachten, obschon Borussia am Ende hinter Dortmund, Bayern und Schalke Vierter wurde. Zudem gab es in dieser Saison ein weiteres Novum. Borussia gewann mit 2:1 Toren im Olympiastadion von München gegen die Bayern! Mehrere negative Dinge fielen jedoch in dieser Saison bereits auf. Zum einen gab es einige deutliche Auswärtsniederlagen (in Karlsruhe 0:4, bei München 60 0:4 oder in Stuttgart 0:5) bei denen man sich völlig wehrlos in sein Schicksal ergab. Zum anderen fehlte neben Dahlin eine zweite gefährliche Spitze, sodass Effenberg öfters in den Sturm vorrückte. Da Martin Dahlin mit einem Wechsel liebäugelte und ein zweiter Stürmer fehlte verpflichtete man während der Saison den Schweden Jörgen Petersson. Doch auch dieser blieb den Beweis seiner Klasse schuldig. Im Europapokal der Pokalsieger wäre mehr möglich gewesen. Nachdem man Sileks Kratovo und AEK Athen souverän ausgeschaltet hatte, scheiterte man im Viertelfinale an den keinesfalls unbezwingbaren Feyenoords aus Rotterdem (2:2 und 0:1). Im DFB-Pokal konnte man seinen Titel nicht verteidigen und schied bereits in Runde 2 bei Bayer Leverkusen mit 0:2 aus.

Borussia 1996/1997

Voraussetzungen: Borussia hatte in Martin Dahlin seinen zweiten Top-Stürmer binnen zwei Jahren verloren. Dahlin wechselte zum AS Rom. Man wollte die Mannschaft in der "Breite" mit entsprechenden Spielern verstärken und verpflichtete hierzu diverse Spieler. Für die Viererkette als Innenverteidiger Hubert Fournier und als Aussenspieler Stephan Passlack. Für das defensive Mittelfeld kam Ion Lupescu von Bayer Leverkusen und schliesslich als neuer Goalgetter Andrej Juskowiak aus Piräus. Rückwirkend betrachtet erfüllte lediglich Lupescu, die in ihn gesetzten Erwartungen. Die Idealformation sah wie folgt aus: Kamps - Neun, Andersson, Klinkert, Kastenmeier - Effenberg, Hochstätter, Pflipsen, Lupescu - Pettersson, Juskowiak. Saisonverlauf: Für die Borussia eine enttäuschende Saison. Es gab Tumulte um die Vertragsverlängerung von Stefan Effenberg, eine Serie von Auswärtsspielen in denen man kein Tor schoss und schliesslich zum Ende der Hinrunde die Entlassung von Trainer Krauss. Ersetzt wurde er durch einen Spezi von Rolf Rüssmann: Hannes Bongartz. Borussia war am Ende der Saison auf Platz elf gelandet. Im Europapokal wechselten Licht und Schatten. Glanzvoll besiegte man in der 1.Runde des UEFA-Cup Arsenal London mit zwei 3:2 Siegen. In Runde 2 schied man dann gegen den AS Monaco mit 2:4 und 1:0 aus. Wenig erfreulich auch der DFB-Pokal. Man schied in Runde zwei am heimischen Bökelberg mit 1:2 gegen Bayern München aus.

Borussia 1997/1998

Voraussetzungen: Vor der Saison 97/98 erfolgte ein personeller Schnitt. Insgesamt verliessen 9 Spieler den Bökelberg, darunter Jörg Neun, Martin Dahlin (war zwischenzeitlich ausgeliehen worden) und Peter Nielsen. Mit Witeczek (Bayern) und Pedersen (Bergen) kamen zwei neue Profis. Der Kader wurde ansonsten mit den eigenen Talenten Villa, Hausweiler und Ketelaer aufgefüllt. Saisonverlauf: Man entging nur knapp dem Abstieg. Am 29.11.1997 endete die Zusammenarbeit mit Hannes Bongartz. Zunächst wurde Norbert Meier zum Cheftrainer befördert und ab dem 01.04.1998 von Friedel Rausch abgelöst unter dessen Regie die letztendliche kaum noch für möglich gehaltene Rettung gelang. Deprimierend auch das Abschneiden im DFB-Pokal. Dort schied man in Runde 1 bei Hannover 96 nach Elfmeterschiessen aus.

Borussia 1998/1999

Voraussetzungen: Knapp dem Abstieg entgangen sollte ein Neubeginn unter Friedel Rausch erfolgen. Aus wirtschaftlichen, aber auch aus atmosphärischen Gründen musste Stefan Efferberg nach München transferiert werden (für 9 Mio. DM). Weitere Spieler wurden ebenfalls abgegeben (Juskowiak, Pedersen, Lupescu, Hoersen). Thomas Kastenmeier beendete seine Laufbahn. Bei den Neueinkäufen zeigte Borussia kein "glückliches Händchen". Für Polster, Reiter, Feldhoff, Ivanov, Sopic, Hagner und Asanin zahlte man insg. 8,8 Mio. DM. Aus dem eigenen Nachwuchs gelangten mit Woronin und Deisler zwei interessante Spieler ins Profilager. Saisonverlauf: Der Saisonverlauf ist leicht umschrieben. Borussia stieg mit Pauken und Trompeten ab. Nach teilweise desaströsen Leistungen musste Friedel Rausch am 10.11.1998 gehen und wurde von Rainer Bonhof ersetzt. Borussias Gang in Liga Zwei konnte aber auch das frühere Gladbacher Idol nicht aufhalten. Am Ende der Saison verliess mit Patrick Andersson (Bayern) der letzte Top-Spieler den Bökelberg. Mit Sebastian Deisler schloss sich eines der grössten Talente des Deutschen Fussballes am Saisonende Hertha BSC an. Die erzielten Ablösen benötigte die Borussia dringend. So endeten die 90er Jahre für Borussia in Liga Zwei. Es sollte etwas dauern bis man sich von diesem Tiefschlag erholen konnte.

Mister Bulicheck - Experte für Borussia Mönchengladbach und die Fussball Bundesliga!