Mister Bulicheck Borussia 1984-1990



Borussia 1984/1985

Voraussetzungen: Der Kicker formulierte es treffend: Die Lücke, die Matthäus schlug. Für die damalige Rekordsumme von 2,27 Mio. DM wechselte Lothar Matthäus zu den Erzfeinden nach Bayern. Borussia war in der Vorsaison punktgleich mit dem Meister VfB Stuttgart und dem HSV Dritter der 1.Bundesliga geworden. Das Pokalfinale verlor man (durch den legendären Fehlschuss von Lothar Matthäus) gegen die Bayern im Elfmeterschiessen. So schrammte man in der Vorsaison knapp an einem Titel vorbei und hatte zudem seinen besten Spieler verloren. Zur Saison 1984/85 verpflichtet BMG lediglich Nachwuchsspieler, von denen sich jedoch keiner im späteren entscheidend in Szene setzen konnte. Die Idealformation der Borussen sah wie folgt aus: Sude - Bruns - Borowka, Hannes, Frontzeck, Krauss - Herlovsen, Hochstätter, Schäfer - Lienen, Mill. Alternativen: Drehsen, Veh, Rahn, Criens. Man beachte: Von den vorgenannten Spielern sind heute sieben (!) als Manager, Trainer oder Co-Trainer tätig. Cheftrainer der Borussia war damals Jupp Heynckes (Foto). Saisonverlauf: Die Borussia erreichte einen hervorragenden 4. Platz und qualifizierte sich damit erneut für den UEFA-Cup. In dieser Saison schlug man in einem grandiosen Spiel den späteren Absteiger aus Braunschweig am heimischen Bökelberg mit 10:0 (!). Meister wurde Bayern München mit dem Neuzugang Lothar Matthäus. Im DFB-Pokal scheiterte die Borussia erneut an den Bayern (die jedoch im Finale Uerdingen unterlagen). Im Münchner Olympiastadion unterlag Borussia nach einer Klasseleistung mit 0:1 nach Verlängerung. Im UEFA-Pokal enttäuschte Borussia und schied in der zweiten Runde gegen den polnischen Vetreter Widzew Lodz aus (3:2 und 0:1). Bermerkenswert: Winfried Schäfer beendete nach dieser Saison seine aktive Laufbahn und wurde Nachwuchstrainer bei der Borussia.

Borussia 1985/1986

Voraussetzungen: Nach der erfolgreichen Vorsaison schien sich Borussia in der Spitzengruppe der Bundesliga etabliert zu haben. Ausser Schäfer gab es keine namhaften Abgänge und es kamen widerum einige Nachwuchsspieler an den Bökelberg. Zwei dieser Spieler würden im späteren den Sprung in die Bundesliga schaffen und zu bewährten Kräften der Borussia reifen (Thomas Eichin und Andre Winkhold. Die Idealformation sah wie folgt aus: Sude - Bruns - Borowka, Hannes, Frontzeck, Krauss - Herlovsen, Hochstätter, Rahn - Mill, Lienen (Criens). Alternativen: Drehsen, Eichin, Winkhold, Herbst, Pinkall. Saisonverlauf: Borussia gelang erneut der Sprung auf Platz 4. Hierbei erwies man sich als sehr heimstark und verlor bei 10 Heimsiegen lediglich zweimal am heimischen Bökelberg (jeweils 1:2 gegen Bremen und Uerdingen). Im DFB-Pokal spielte man in dieser Saison nicht sonderlich erfolgreich und schied in der 2.Hauptrunde in Gelsenkirchen gegen Schalke mit 1:3 aus. Das Abschneiden im Europokal sollte die weitere Entwicklung des Vereines massgeblich beeinflussen. In der 1.Runde schaltete man Lech Posen mit 2:0 und 1:1 aus - in Runde zwei musste Sparta Rotterdam die Überlegenheit der Borussia erkennen. Die Holländer wurden mit 5:1 und 1:1 souverän elemeniert. Im Achtelfinale kam es zu zwei denkwürdigen Spielen gegen den späteren Sieger des Wettbewerbs - das spanische Star Ensemble Real Madrid. In einem fantastischen Hinspiel entzauberte eine wie entfesselt spielende Borussia die Königlichen mit 5:1 Toren (wer dieses Spiel gesehen hat muss zugeben, dass es auch 7:1 oder 8:1 hätte enden können). Zwei Wochen später fiel Borussia ins Jammertal, nachdem man in Madrid mit 0:4 verlor und ausgeschieden war. Sturmführer Frank Mill wurde von Manager Grashoff ob einer ungenutzten Chance in Madrid hart kritisiert und verliess Borussia nach der Saison. Jupp Heynckes dürften erste Bedenken gekommen sein, ob in den bescheidenen Rahmenbedingungen am Bökelberg, überhaupt grössere Erfolge möglich seien.

Borussia 1986/1987

Voraussetzungen: Zahlreiche Spieler verliessen den Verein und der Kicker titelte: "Ein kleines Stück zum grossen Glück". Gemeint war, dass BMG stets kurz vor dem ganz grossen Erfolg (an sich selbst) scheiterte. Herlovsen, Hannes, Mill und Pinkall hiessen die Abgänge. Mit Günther Thiele verpflichtete die Borussia einen namhaften Stürmer vom Nachbarn Fortuna Düsseldorf. Hinzu kamen hoffnungsvolle und talentierte Spieler aus dem Amateurbereich und der zweiten Liga (Bakalorz und Brandts). Die Idealformation der Borussen sah wie folgt aus: Sude - Bruns - Borowka, Drehsen, Frontzeck, Krauss - Hochstätter, Rahn, Winkhold - Lienen (Criens), Thiele - Alternativen: Eichin, Bakalorz, Brandts, Lienen. Saisonverlauf: Aller Skepsis zum Trotz stand am Ende eine Top-Saison der Borussia zu Buche. Man erreichte den 3. Platz und Uwe Rahn wurde mit 24 Treffern Torschützenkönig. Im UEFA-Pokal spielte man eine grandiose Saison. Borussia schaltete Partizan Belgrad (1:0, 3:1), Feyenoord Rotterdam (5:1, 2:0), Glasgow Rangers (1:1, 0:0) und Vitoria Guimaraes (3:0, 2:2) aus und stand damit im Halbfinale. Dort holte man im Hinspiel bei Dundee United in einem sehr kampfbetonten Spiel ein 0:0 und wollte am ausverkauften Bökelberg den Einzug ins Finale klar machen. Den Borussen versagten jedoch die Nerven und man wurde von den Schotten mit 2:0 ausgekontert. Auch im DFB-Pokal konnte die Mannschaft im entscheidenden Moment nicht den Big-Point setzen. Nach einem fantastischen 6:1 gegen den BVB in Runde 2 und einem denkwürdigen 2:0 n.V. am Aachener Tivoli im Achtelfinale überrollte man Bayer Uerdingen im Viertelfinale am heimischen Bökelberg mit 9:2 (!). Im Halbfinale musste man im Hamburger Volksparkstadion antreten und verlor dort (nach schwacher Leistung) gegen den späteren DFB-Pokalsieger mit 0:1. Vermehrt war damals zu lesen und zu hören, dass Borussia der Killer-Instinkt bzw. die Sieger-Mentalität fehle. Jupp Heynckes verliess nach dieser Saison den Bökelberg in Richtung München um dort erste Titel sammeln zu können. Sein Nachfolger wurde der bisherige Co-Trainer Wolf Werner. Bemerkenswert: Manager Grashoff schlug eine zweistellige Millionen-Offerte des PSV Eindhoven für Uwe Rahn aus.

Borussia 1987/1988

Voraussetzungen: Lediglich mit Uli Borowka verlor man einen Leistungsträger. Gleichzeitig wechselte Ewald Lienen nach Duisburg. Das Management der Borussen verwies darauf, dass man alle sonstigen Top-Spieler (insb. Uwe Rahn) gehalten hatte. Zwei interessante Spieler wurden (neben anderen) verpflichtet. Zum einen kam aus Holland der damalige zweite der holländischen Ehrendivision (immerhin Zweiter hinter Marco van Basten) - sein Name: Eric Willaarts. Und ein Jugendspieler wollte sich mit seinen damals 19 Jahren im Borussen-Dress durchsetzen - sein Name: Stefan Effenberg. Der Beförderung von Wolf Werner zum Chef-Trainer standen einige Experten recht skeptisch gegenüber. Die Idealformation sah wie folgt aus: Kamps - Bruns - Drehsen, Krauss, Winkhold - Hochstätter, Herlovsen, Frontzeck, Rahn - Thiele, Criens - Alternativen: Herbst, Krisp, Bakalorz, Brandts, Willaarts. Saisonverlauf: Der Saisonverlauf förderte zahlreiche Probleme zu Tage. Nach guter Hinrunde liessen die Leistungen nach und Mannschaft und Trainer Werner harmonierten nicht sonderlich gut. Der Holländer Willaarts präsentierte sich nicht als die gewünschte Verstärkung (lediglich 10 Einsätze und 2 Tore) und Uwe Rahn trauerte anscheinend seinem geplatzten Wechsel zum PSV Eindhoven nach ( er schoss in dieser Saison lediglich 12 Tore). Am Ende stand ein, ob dem vorhandenen Spielermaterial - enttäuschender 7.Platz. Stefan Effenberg absolvierte übrigens in seiner ersten Saison 15 Spiele und schoss hierbei ein Tor. Borussias Abschneiden im UEFA-Cup war ebenfalls enttäuschend. Man schied in der ersten Runde sang- und klanglos gegen Espanyol Barcelona mit 0:1 und 1:4 aus! Im DFB-Pokal lief es nicht wesentlich besser. In Runde zwei waren die Bayern Endstation. Bemerkenswert: Trotz der atmosphärischen Störungen hielt das Gladbacher Management an Trainer Wolf Werner fest. Es galt weiterhin der Grundsatz: In Gladbach wird kein Trainer entlassen.

Borussia 1988/1989

Voraussetzungen: Gegenüber der Vorsaison gab es keine bedeutenden Veränderungen im Kader. Neben Nachwuchspielern (u.a. dem späteren Osnabrücker Torwart Uwe Brunn) wurde mit Frantisek Straka eine sehr gute Alternative für die Abwehr von Sparta Prag verpflichtet. Die Idealformation sah wie folgt aus: Kamps - Bruns - Drehsen, Frontzeck, Winkhold - Hochstätter, Herlovsen, Rahn, Effenberg - Criens, Thiele - Alternativen: Eichin, Straka, Krauss, Neun, Willaarts. Saisonverlauf: Am Ende der Saison stand ein durchaus ansprechender 6. Platz. Uwe Rahn wechselte während der Saison für 2,2 Mio. DM in Richtung Köln. Im DFB-Pokal schied die Borussia bereits in Runde 1 bei Schalke 04 mit 1:2 aus. In Gladbach hatte nach der erfolgreichen Ära Heynckes Mittelmass Einzug gehalten. Eine Reihe von Eckpfeilern der Ära Heynckes waren verschwunden (Hannes, Borowka, Lienen, Rahn, Frontzeck der nach Stuttgart ging) bzw. "in die Jahre gekommen" (Bruns, Krauss) - ein Generationenwechsel stand an.

Borussia 1989/1990

Voraussetzungen: Mit Frontzeck und Drehsen verliessen zwei Leistungsträger die Borussia. Uwe Rahn war bereits in der vergangenen Saison gewechselt und Günther Thiele suchte eine neue Herausforderung in Duisburg. So kaufte BMG für seine Verhältnisse umfangreich ein. Für die Abwehr verpflichtete man Michael Klinkert aus Schalke, für Mittelfeld Uwe Spies aus Karlsruhe. Aus Norwegen fand Kjetil Rekdal den Weg an den Bökelberg. Zudem warb BMG das damalige Mittelfeld-Top-Talent des FC Schalke 04 Carsten Marell an. Interessant in dieser Saison waren die Nachwuchsspieler, welche verpflichtet wurden - genau genommen drei Spieler. Sie hiessen: Martin Max, Karl Heinz Pflipsen und Peter Wynhoff. Das Bild der Idealformation hatte sich merklich verändert: Kamps - Bruns - Klinkert, Straka - Winkhold, Effenberg, Hochstätter, Herlovsen, Neun - Criens, Spies - Alternativen: Eichin, Krauss, Marell, Rekdal - Saisonverlauf: Borussia entging nur knapp dem Abstieg. Zur Rettung wurde Trainer Wolf Werner durch Gerd vom Bruch ersetzt und der Name Rolf Rüssmann kam zum ersten Mal mit dem Thema Management der Borussia in Verbindung. Während der Saison versuchte man mit der Verpflichtung von Norbert Meier (von Werder Bremen), dem Sputnik Igor Belanov und dem Leispieler Oliver Bierhoff (!) dem drohenden Abstieg zu entrinnen. Letzten Endes wurde dieses Ziel mit Platz 15 auch erreicht. Tortzdessen befand man sich zu Beginn der 90er Jahre in einem Abwärtstrend, denn zum Saisonende würden Bruns, Krauss und Herlovsen ihre Karrieren beenden. Einzig positiver Aspekt der Saison 89/90 war der endgültige Durchbruch von Stefan Effenberg hin zum Führungsspieler. Ohne diesen jungen Stefan Effenberg wäre Borussia sicherlich abgestiegen. Leider verliess Effe die Borussia nach der Saison 89/90 in Richtung München.

Das Zitat aus dem Kicker-Sonderheft zur Saison 1990/91 und damit zu Beginn der 90er trifft zu: "Das Prinzip Hoffnung". Mit Sicherheit sind die 90er noch bewegendere Jahre für die Borussia gewesen.

Mister Bulicheck - Experte für Borussia Mönchengladbach und die Fussball Bundesliga!