Wuppertal, Duisburg, Offenbach und Aachen am Ende!



Dieser Tage geht es durch die Gazetten. Vier deutsche Traditionsklubs sind am Ende und müssen, aus finanziellen Gründen, die Segel streichen. Das entsprechende Schlagwort lautet: Keine Lizenz! Bei den Vereinen um die es hier geht blutet manchem Fans das Herz: Wuppertaler SV, MSV Duisburg, Kickers Offenbach und Alemannia Aachen! Bei diesen vier Klubs reden wir über wirkliche Traditionsvereine des Deutschen Fussballs. Und vor allem in den goldenen 70igern waren diese Vereine on vogue und haben oftmals mit Borussia Mönchengladbach die Klingen gekreuzt. Natürlich verbindet man dies auch mit klangvollen Namen a la Dietz, Kostedde oder Pröpper. Und immerhin befindet sich unter diesen vier Aspiranten ein ehemaliger Vizemeister (Aachen) und ein Pokalsieger (Offenbach).

Nun stellt sich natürlich irgendwo die Frage, warum solche Traditionsklubs "den Bach runter gehen". Zunächst einmal haben alle vier einen Standort Nachteil gemein. In unmittelbarer Nachbarschaft dieser Klubs befinden sich Vereine, die von ihrer Struktur her deutlich stärker aufgestellt sind. Duisburg hat mächtige Konkurrenz im Ruhrgebiet (u.a. Schalke und Dortmund), Offenbach "leidet" unter der Nachbarschaft zu Frankfurt, Aachen liegt im Grenzgebiet zu Holland im Einzugsgebiet der Borussia aus Mönchengladbach und Wuppertal liegt unweit der Achse Köln/Leverkusen/Düsseldorf. In solchen Lagen ist es sehr, sehr schwer sich entsprechend zu platzieren. Zuschauerzuspruch und regionales Sponsoring sind dort schwierig zu steigern. Gleiches gilt im übrigen hinsichtlich der Attraktivität für regionale Nachwuchstalente. Die vier genannten Klubs sind in ihrer Region eben nicht die erste, sondern eher die zweite Wahl.

Klubs wie der WSV, die Zebras aus Duisburg, die Kickers aus Offenbach oder die Alemannia aus Aachen kämpfen demnach um ihre Identifikation und (wenn man so will) ihren Marktanteil. Und wesentlich stärker als früher spielt der Faktor "Geld" eine entscheidende Rolle, wenn es um den sportlichen Erfolg eines Klubs geht. Dieser Gesetzmäßigkeit fielen bereits viele Klubs zum Opfer, die man als Traditionsklubs bezeichnen darf (man denke an Darmstadt 98, 1.FC Saarbrücken, Waldhof Mannheim, Fortuna Köln, Rot Weiss Essen, Rot Weiss Oberhausen, 1.FC Magdeburg, und, und, und....).

Die Macher solcher Vereine nahmen und nehmen den Kampf auf ihren Klub möglichst weit nach oben zu bringen. Und aufgrund der Nachteile ihres Standortes geht dieser Schuss dann oft nach hinten los. Eine ganz wichtige Rolle dürfte hierbei auch das Söldnertum im Profifussball spielen. Da werden Spieler verpflichtet, deren Name und Reputation wesentlich grösser als deren Leistungsvermögen ist. Was nutzt es einen Nationalspieler von irgendwo zu verpflichten, der in der 2., 3. oder 4. Deutschen Liga nicht mithalten kann. Nicht nur dies: Im Regelfall fehlt bei diesen Akteuren die Identifikation mit ihrem Klub in Gänze. Dem Spieler ist letzten Endes einerlei, ob sein Klub nun Erfolg hat oder nicht. Da wird man in Duisburg sicherlich, mit Tränen in den Augen, zurück an Bernhardt Dietz denken! Der treue Enatz spielte stets mit Herzblut für den MSV! Solch eine Gesinnung dürfte heute nur schwer zu finden sein.

Es ist mehr als schade, dass so viele Traditionsklubs sich in so schwieriger Position befinden. Den Vereinen kann man eigentlich nur einen guten Rat geben und der lautet: "Back to the roots". Dies meint: Aus dem Nachwuchs und der eigenen Region Spieler verpflichten, die sich mit dem Verein identifizieren. Und zudem sollten diese Spieler in den finanziellen Rahmen des Vereines passen. Mancher Klub wird dann, mit der Zeit, wieder hoch kommen. Ein aktuell sehr gutes Beispiel, für solch eine positive Entwicklung, ist sicherlich Eintracht Braunschweig.

Man könnte heute problemlos eine Liga der gescheiterten Traditionsklubs bilden, die sportlich äusserst reizvoll wäre: FC St.Pauli Hamburg, Preussen Münster, Rot Weiss Essen, Wuppertaler SV, SG Wattenscheid 09, 1.FC Magdeburg, Alemannia Aachen, Rot Weiss Oberhausen, MSV Duisburg, 1.FC Saarbrücken, Darmstadt 98, Waldhof Mannheim, Tennis Borussia Berlin, Kickers Offenbach, KFC Uerdingen, Arminia Bielefeld, Karlsruher SC, Hansa Rostock. Diese Liga würde 18 Vereine beheimaten, die allesamt bereits in der 1.Liag spielten! Und nicht nur dies: Unter diesen Klubs findet man Pokalsieger und Klubs, die im Europapokal Geschichte schrieben (allen voran Magdeburg!).

Wir leben aber auch in einer Fussballzeit, in der die Verknüpfung von Kommerz/Kapital und Sport deutlichst zugenommen hat. Irgend jemand hat es mal so formuliert: Der Erfolg ist da, wo das Geld ist. Und genau dieser einfache Nenner bringt es auf den Punkt. Einige Startplätze der 1.Liga sind durch zahlungskräftige Sponsoren vergeben (Wolfsburg, Leverkusen und Hoffenheim). Andere Vereine beziehen ihre Zugehörigkeit durch ihren exzellenten Standort (Bayern München, VfB Stuttgart, Hamburger SV, Eintracht Frankfurt, Hannover 96, Werder Bremen, Hertha BSC Berlin, mittlerweile auch Borussia Mönchengladbach). Andere suchen, mehr oder weniger erfolgreich den für sie passenden Weg: SC Freiburg, Mainz 05 oder 1.FC Nürnberg seien als Beispiele genannt.

Für die Fans in Aachen, Wuppertal, Duisburg und Offenbach bleibt nur die Hoffnung auf bessere Zeiten. Es bleibt der Trost, dass solch bessere Zeiten durchaus eintreten können. Besonnenheit, Geduld und perspektivisches Denken sind gefragt.

Mister Bulicheck - Experte für Borussia Mönchengladbach und die Fussball Bundesliga!