Fusball in der DDR


Die jüngeren Menschen werden mit dem Begriff "DDR" tatsächlich nicht mehr so viel anfangen können. Die ehemalige DDR und die Bundesrepublik Deutschland feierten 1990 die Wiedervereinigung. Hiermit ging auch das Zusammenwachsen des Ostens und des Westens im Bereich des Fussballs einher. Unvergessen bleibt die Aussage Franz Beckenbauers nach dem WM Gewinn 1990. Aufgrund des Gewinnes des WM Titels und des Zusammenschlusses von Ost (DDR) und West (BRD) ging er davon aus, dass die Deutsche Nationalelf über Jahre unschlagbar sein wird. Es kam zwar etwas anders, was jedoch nicht Gegenstand dieses Artikels sein soll.

Der Fussball in der DDR wurde von zwei grossen Klubs bestimmt, die die Meisterschaft quasi unter sich ausmachten. Die Rede ist von Dynamo Berlin und Dynamo Dresden. In diese Phalanx brachen gelegentlich Lokomotive Leipzig und der 1.FC Magdeburg ein. Der 1.FC Magdeburg ist im übrigen der einzige Klub der ehemaligen DDR, der einen Europacup gewinnen konnte. Am 08.Mai 1974 schlug der 1.FC Magdeburg in Rotterdam, im Endspiel des Europacups der Pokalsieger, den AC Mailand mit 2:0 Toren. Dieses Spiel bietet einige interessante Personalien: Trainer auf Seiten der Italiener war Giovanni Trapatoni, Abwehrchef der Deutsche Nationalspieler Karl Heinz Schnellinger. Und auf Magdeburger Seite wirkte Jürgen Sparwasser mit. Sparwasser war der Spieler, der bei der Weltmeisterschaft 1974 das legendäre Siegtor der DDR gegen die BRD erzielte.

Die Zeiten des sogenannten "Kalten Krieges" spalteten den Westen und den Osten Europas. Europas Osten war vom kommunistischen Russland beherrscht, was sich im sogenannten Warschauer Pakt manifestierte. Die Grenze des Ostens versus des Westens durchlief Deutschland. Auf der einen Seite der freie Westen (BRD), auf der anderen Seite der von Russland beherrschte Osten (DDR). Der kommunistische Verbund von Staaten im Osten wurden oftmals auch als ostblock bezeichnet. Eines steht im Nachhinein fest: Profifussball im Ostblock war weniger erfolgreich als jener im Westen. Man mag dies an den Ergebnissen der Weltmeisterschaften seit 1954 entnehmen: 1954 Deutschland, 1958 Brasilien, 1962 Brasilien, 1966 England, 1970 Brasilien, 1974 Deutschland, 1978 Argentinien, 1982 Italien, 1986 Argentinien, 1990 Deutschland, 1994 Brasilien, 1998 Frankreich, 2002 Brasilien, 2006 Italien und 2010 Spanien. Ein Verband aus Osteuropa konnte keinen WM-Titel erbeuten.

So stellte sich auch der Fussball der ehemaligen DDR dar. Ab und an erzielte man ein Ergebnis welches aufhören liess. Insgesamt konnte der DDR Fussball jedoch keine wirklichen internationalen Lorbeeren erringen.

Dies wirft natürlich die Frage nach Ursachen auf. Zunächst einmal muss man sagen, dass Fussball in der DDR so etwas von Inzucht hatte. Es gab einfach keine Impulse von aussen, da die Grenzen geschlossen waren. Es gab keinen Zukauf international erfahrener und guter Trainer und Spieler. Man bewegte sich nur in den eigenen Grenzen und dies limitiert natürlich die Möglichkeiten erheblich.

Entsprechend gering war das Leistungsniveau der 1.Liga. Die drei bis vier Topklubs konnten international mithalten. Die dahinter platzierten Teams waren, international betrachtet, bestenfalls zweitklassig. Damit war ein Spielen auf konstant hohem Niveau, vergleichbar der Ligen in England, Spanien, Italien oder der BRD, nicht möglich.

Zu all diesen Punkte gesellte sich, dass die Perspektive der besten Spieler (sportlich) nicht als rosig bezeichnet werden durfte. Selbst einem Jahrhunderttalent wäre es nie möglich gewesen zu einem Topklub wie Real, Juventus oder Inter Mailand zu wechseln. Und nicht nur dies: Der Profifussballer der DDR konnte nur neidvoll auf die Entlohnung bei Westklubs schauen.

Zu guter letzt war auch die Infrastruktur der DDR Klubs mehr als bescheiden. Die grossen Klubs des Westens verfügten über grosse Stadien und gute Trainingsmöglichkeiten. Entsprechendes konnte in der DDR, mangels Kapital, nicht angeboten werden.

Die damalige Leistungslücke zwischen Ost und West lässt sich durch all diese Gründe sehr gut erklären. Es lag nicht an den Fans der DDR Klubs oder dem Talent oder Willen der Spieler. Es waren einfach Umstände der damaligen politischen Lage, die sich mittlerweile ja grundlegend geändert hat. Zudem beschränkte sich dies ja nicht nur auf die DDR. Für alle Staaten des damaligen "Ostblocks" liess sich dies eindeutig beobachten.

Heute ist der Spitzenfussball in den neuen Bundesländern nur sehr, sehr bedingt angekommen. Dresden, Aue und Cottbus vertreten (als ehemalige Fussballklubs der DDR) den Osten der Republik in der 2.Bundesliga. Und es dürfte für alle drei vorgenannten Vereine äusserst schwer sein sich in höhere Gefilde des Profifussballs zu begeben. Die Ursache liegt in der Struktur dieser Klubs, die für die 1.Liga kaum ausreichend ist. Gemeint ist hierbei insbesondere die Infrastruktur und die Ausstattung mit den benötigten Geldmitteln. Erstligafussball ist (beispielsweise) am Standort Cottbus schwer zu realisieren, wenn man sich in der 1.Liga mir den Schwergewichten aus München, Dortmund, Hamburg oder Stuttgart messen muss. Eine Erfahrung, die aber auch Clubs wie Fürth oder St.Pauli machen mussten, deren Infrastruktur (Stadion, Einzugsgebiet, etc.) vergleichbar ist.

Gespannt sein darf man auf das weitere Geschehen in Leipzig, wo der Red Bull Konzern umfassend eingestiegen ist. Zudem verfügt Leipzig über ein zeitgemässes und modernes Stadion. Den Machern dort ist zuzutrauen, dass man in einigen Jahren Mitglied der 1.Bundesliga ist.

Der Osten bietet aber noch zwei, drei andere schlafende Riesen, die durchaus in der 2.Bundesliga gut vorstellbar wären. Die Rede ist hierbei insbesondere von Magdeburg und Rostock, die ja über einen durchaus klangvollen Namen verfügen.

Letzte Abschlusstballe der 1.DDR Liga:

1. FC Hansa Rostock 26 13 9 4 44:25 +19 35:17
2. 1. FC Dynamo Dresden (M/P) 26 12 8 6 48:28 +20 32:20
3. FC Rot-Weiß Erfurt 26 11 9 6 30:26 +4 31:21
4. Hallescher FC Chemie 26 10 9 7 40:31 +9 29:23
5. Chemnitzer FC 26 9 11 6 24:23 +1 29:23
6. FC Carl Zeiss Jena 26 12 4 10 41:36 +5 28:24
7. 1. FC Lokomotive Leipzig 26 10 8 8 37:33 +4 28:24
8. BSV Stahl Brandenburg 26 9 9 8 34:31 +3 27:25
9. Eisenhüttenstädter FC Stahl 26 7 12 7 29:25 +4 26:26
10. 1. FC Magdeburg 26 9 8 9 34:32 +2 26:26
11. FC Berlin 26 7 8 11 25:39 -14 22:30
12. FC Sachsen Leipzig (A) 26 6 10 10 23:38 -15 22:30
13. FC Energie Cottbus 26 3 10 13 21:38 -17 16:36
14. FC Victoria 91 Frankfurt/O. (A) 26 4 5 17 29:54 -25 13:39